Etwas  über unsere Arbeit...

Die gute, alte christliche Seefahrt, was wissen wir eigentlich über sie? Für uns Landratten ist sie zumeist ganz romantisch besetzt. Wunderbar über die sieben Weltmeere fahren, die schönsten Städte und Gegenden bestaunen, Bekanntschaften und Freunde in der ganzen Welt zu haben.
Das aber hat mit der Realität wenig zu tun. Die Seefahrt ist knallhartes Geschäft und unverzichtbarer Teil unserer Wirtschaft.
Wussten Sie, dass mehr als 80 % aller Wirtschaftsgüter mit Schiffen zu uns gebracht werden und dass über 90% unserer Importwaren mit Schiffen kommen?
Wenn es diese Schiffe nicht gäbe, könnten wir nicht in diesem Wohlstand leben, viele Lebensmittel gäbe es für uns nicht und noch größere Teile der Welt würden Hunger leiden!
Viele Menschen in den ärmsten Ländern dieser Erde leben von der Seefahrt, aber oft nur am Rande des Existenzminimums. 
Seefahrt heute ist geprägt vom "Höher – Schneller – Weiter". Alles muss noch ein bisschen schneller, noch ein bisschen automatischer gehen. Wo bleiben da die Menschen auf den Schiffen? Die Arbeit der Seeleute hebt Grenzen auf und verbindet Länder und Kontinente – wohl wahr! Doch meistens geschieht sie fernab von den Augen der Öffentlichkeit. Eine Tätigkeit, die lebensnotwendig ist für die moderne Weltwirtschaft mit ihrem beschleunigten Warenverkehr. Doch wer hat die Menschen auf den Schiffen mit ihren ganz normalen und alltäglichen Bedürfnissen im Blick?
Wussten Sie, dass die Menschen auf diesen Schiffen oft länger als 9 Monate, ja sogar 12 Monate und mehr von ihren Familien getrennt leben? 
Seeleute sind von jedem gesellschaftlichen Leben an Land ausgeschlossen, mit ihren Partnern, Kindern, Familien haben sie nie Alltag, immer nur Ausnahmezustand. Und auch im Hafen haben sie kaum Gelegenheit, einmal ihr Schiff zu verlassen. 
Häfen liegen immer in der Mitte von NICHTS – in the middle of nowhere – sagen die Seeleute. Wasser, und in den Häfen Container – Kisten – prägen ihre Aussicht. Und wenn es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Seemannsmission nicht gäbe, wäre niemand da, der einmal etwas Abwechslung in die Eintönigkeit brächte. Der einmal eine Zeitung in ihrer Sprache bringt oder Telefonkarten verkauft.
Der Alltag an Bord wird von der Arbeitszeit bestimmt: 6 Stunden arbeiten : 6 Stunden Freizeit. Freizeit heißt aber nicht, dass man nach Hause zur Familie geht, dass man entspannen kann oder einmal in die Disco geht. Diese Freizeit kann man nur in der Bordgemeinschaft verbringen. Ein Schiff von 300 Metern Länge, mit 7.400 Containern und mehr, wird von nicht mehr als 24 Menschen bewegt – früher sind vergleichbar große Schiffe mit der dreifachen Anzahl an Seeleuten gefahren. Und diese jetzt nur noch 24 Menschen kommen aus manchmal 5 – 10 Nationen. Das heisst auch, dass ebenso viele Kulturen und Religionen an Bord sind und die unterschiedlichsten Sprachen gesprochen werden. Verständigung ist nur in gebrochenem Englisch möglich.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Seemannsmission gehen an Bord - an den Arbeitsplatz der Seeleute - und bieten sich als Gesprächspartner und Seelsorger an. Seemannsmission ist Kirche der Seeleute, sie nimmt alle an und ist für jeden da – ohne Ansehen der Nationalität, der Hautfarbe oder der Religion. Seemannsmission bietet in den Clubs oder Seemannsheimen Heimat fern der Heimatorte an. Hier kann man preiswert einmal nach Hause telefonieren und kann hören, wie es den Liebsten zu Hause geht, was das Baby macht, das gerade während der Abwesenheit geboren wurde und das man nur von einem Bild her kennt. Seemannsmission heißt für viele Seeleute Geborgenheit und Vertrautheit.
Darüber hinaus sind die Mitarbeiter der Seemannsmission im Hafen oftmals nicht nur wichtige Ansprechpartner für Seeleute, sondern auch für die Hafen- und Werftarbeiter.

Support of Seafarers´Dignity 

Wahrung der Würde der Seeleute 

Das ist unser Leitwort. Dafür stehen wir ein – hier kann man uns beim Wort nehmen.