Drei Wortbeiträge beleuchteten, was Seefahrt durch die Jahrhunderte bedeutet und was es für Seeleute heißt, im Hafen willkommen geheißen zu werden. Sören Affeldt vom Europäischen Hansemuseum knüpfte an das 875-jährige Stadtjubiläum an. Lübeck sei schnell zur „Boomtown“ geworden – ein wichtiger Grund dafür: der Handel über die Ostsee. Die Reisen waren oft gefährlich. So wurde es üblich, Geistliche auf den Fahrten mitzunehmen. Einer dieser Geistlichen ist der Lübecker Sweder Hoyer, nach dem der Seemannsclub der Deutschen Seemannsmission in Lübeck benannt ist.Holger Meier von der TT Line nahm die Schifffahrt heute in den Blick. Er sprach vom technischen Wandel und der Verdichtung der Arbeit an Bord. „Nicht mehr die schwere körperliche Arbeit macht den Kollegen zu schaffen, sondern lange Arbeits- und Bereitschaftszeiten, Schichtdienst, Dokumentation aller Vorgänge, kurze Liegezeiten und eine soziale Isolation“, betonte er. Expertengruppen hätten den Beruf des Seemanns als risikoreichen Stressberuf eingestuft.
Hieran knüpfte Bärbel Reichelt, Theologin bei der Deutschen Seemannsmission in Lübeck, an. Oft seien es die kleinen Dinge, die ein Willkommen bedeuteten: ein kleiner Plausch, ein offenes Ohr für die Nöte. Eine Info, wo man denn gerade überhaupt ist. Ein Besuch im Krankenhaus. Eine Fahrt zum Supermarkt, der angesichts knapper Liegezeiten im Hafen oft unerreichbar ist. Sie erzählte von Konfirmanden, die Postkarten für Seeleute geschrieben haben. Mit lieben Grüßen und guten Wünschen drauf. An Bord verteilt sorgten sie für Rührung. Da war jemand, der sie gesehen hatte.
Pastor i.R. Hans-Uwe Rehse, ehemaliger Geschäftsführer der Vorwerker Diakonie, stellte seine Predigt unter das Doppelgebot der Liebe: „Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller deiner Kraft und deinem ganzen Verstand! Und: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!“ Er betonte, wie wichtig es ist, dass Menschen da sind, mit denen man vieles teilen kann. Zunehmend werde jedoch die Erfahrung gemacht, außen vor zu bleiben. Globalisierung sei das Stichwort, das von den Seeleuten ganz konkret erlebt werde und Trennung von Familie und Freunden bedeute. „Gut ist es, wenn es neben der Familie noch andere Menschen gibt, die einem das Gefühl geben können: Hier bin ich richtig“, sagte Rehse. Seeleute könnten dies erleben bei einem guten Miteinander an Bord. Wenn ihnen Einheimische offen begegnen und weiterhelfen würden. Wenn die Arbeitsbedingungen an Bord so gestaltet wären, dass sie den Bedürfnissen der Seeleute entsprechen.
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor der Kirchengemeinden Scharbeutz und Gleschendorf sowie vom Shantychor Möwenschiet. Dieser hielt noch eine Spende von 500 Euro für die Arbeit der Seemannsmission parat – überreicht vom Vorsitzenden Egon Ruland. Das Grußwort der Hafenwirtschaft überbrachte Mathias Ullrich von der Hafenbehörde Lübeck. Matthias Ristau, Seemannspastor der Nordkirche, übernahm Eingangsgebet, Psalm und Segen. Fürbitten sprachen Henning Wullff, Ehrenamtlicher der Deutschen Seemannsmission in Lübeck, und Jannes Brandt, als Konfirmand der Domgemeinde an der Postkartenaktion beteiligt.

Text:  Bärbel Reichelt // Foto: Bernd Pagel