Im Licht der Scheinwerfer

Sander Jager, Kapitän der Arion, Chief engineer Rob Klijnstra und Sailor Jasper Peelen machen sich auf den Weg die Trave hinauf. Die Maschine läuft mit gut sechs Knoten. Hinter dem Skandinavienkai tauchen die ersten Felder mit Eisschollen auf. Sie sind dünn. Kein Problem für den Schlepper mit seinen über 2500 PS. Offenes Wasser und Eisflächen wechseln sich ab. Im Scheinwerferlicht tauchen Schwärme von Gänsen und Möwen auf. Das Radar wirft seinen kreisenden Schatten aufs Eis. Regelmäßig gibt Jager die Positionsangabe der Arion an Trave Traffic durch. Auf Kanal 6 ist der Funkverkehr zwischen Losten und Schlepper Axel zu hören. Er hat jetzt hinten fest gemacht.
20:20 Uhr: Die Arion erreicht den Vorwerker Hafen. Das Eis ist zentimeterdick, darin gefangen kräftige Eisschollen. Knirschend brechen sie unter dem Bug. Wie zersplitterndes Glas rutschen einzelne Schollen über das Eis. Die Arion bahnt sich mit voller Kraft einen Weg bis zur Kaikante, bricht das Eis im Hafen, wendet. „Arion, wo sind sie jetzt“, kommt es über Kanal 6. „Noch drei Minuten, dann sind wir wieder aus dem Vorwerker Hafen heraus.“ Das passt.

Zug auf der Leine

Dunkel liegt die Trave vor der Arion. Dann taucht die CMB Catrine auf. Dicht fährt der Schlepper an den Bulk Carrier. Nur wenige Meter liegen zwischen dem Heck der Arion und dem hoch aufragenden Bug. Die Wurfleine wird übergeworfen. Die Schleppleine angezogen. Langsam bewegt sich das Schiff Richtung Vorwerker Hafen. Kurz vor dem Einlaufen muss es gedreht werden. Der Funkverkehr nimmt zu. „Arion 10 Uhr, 20 Prozent.“ „Habt ihr Zug auf der Leine?“ „Wieder etwas Richtung Süden.“ „Maschine gestoppt. Arion hält den Steven.“ Langsam kommt das Schiff herum, dreht sich, wird rückwärts ins Hafenbecken geschleppt. Hier wird es noch einmal schwierig. Das Eis ist dick. Lässt sich nicht so einfach wegschieben. Noch fehlen einige Meter zur Kaikante. Die Festmacher warten. Die Trossen werden übergeworfen. Axel schmeißt die Leine, kommt längsseits, am Heck. Am Bug liegt die Arion. Mit voller Kraft drücken sie den Bulk Carrier an den Kai. Minuten vergehen, dann ist es geschafft. Die Losten funken einen Dank an die Besatzung der Schlepper.
Inzwischen ist es 23:30 Uhr. Die Axel bleibt im Vorwerker Hafen, bevor sie am nächsten Morgen den Heimweg nach Rostock antritt. Die Arion macht sich auf den Weg zurück, zu ihrem Liegeplatz am Skandinavienkai. Es ist kurz nach 1 Uhr nachts, als sie dort anlegt. „Eine ungewöhnliche Fahrt“, sind sich Jager, Klijnstra und Peelen einig. „So dickes Eis wie im Vorwerker Hafen haben wir selten.“

Text + Fotos: Bärbel Reichelt